Ratgeber · von Christian Stockmeier · 9 Minuten · geprüft am 26. August 2026
Website selbst erstellen oder machen lassen? Eine ehrliche Abwägung
Beide Wege funktionieren. Welcher passt, hängt weniger vom Budget ab als von drei Fragen: Wie viel Zeit hast du wirklich, wie wichtig ist Eigenständigkeit, und wer kümmert sich in zwei Jahren darum?
Kurz gesagt
Eine Website selbst zu erstellen lohnt sich, wenn Zeit vorhanden ist und ein Vorlagen-Design ausreicht: Mit einem Baukasten wie Wix oder Jimdo sind 20 bis 60 Stunden realistisch, die Softwarekosten liegen bei 10 bis 20 € monatlich. Ein Profi lohnt sich, sobald die Website Anfragen bringen soll, der eigene Stundensatz die Ersparnis übersteigt oder niemand im Betrieb die Seite dauerhaft pflegen kann.
20–60 Std.
Eigenarbeit mit Baukasten
Der ehrliche Zeitaufwand beim Selbermachen
Baukasten-Anbieter werben mit „Website in einer Stunde". Das trifft auf das Einsetzen einer Vorlage zu, nicht auf ein Ergebnis, das Kunden überzeugt.
Realistisch verteilt sich die Zeit so: Einarbeitung 3 bis 8 Stunden, Texte schreiben 8 bis 20 Stunden, Bilder beschaffen und aufbereiten 4 bis 10 Stunden, Layout und mobile Ansicht 5 bis 15 Stunden, rechtliche Seiten und Kontaktformular 3 bis 6 Stunden.
Der größte Posten ist fast immer das Texten. Die eigene Leistung so zu beschreiben, dass ein Fremder sie versteht und Vertrauen fasst, ist die schwierigste Teilaufgabe — und die, an der die meisten Selbstbau-Projekte hängen bleiben.
Wann Selbermachen die richtige Entscheidung ist
Es gibt klare Fälle, in denen ein Baukasten genügt.
- Die Website ist eine digitale Visitenkarte, keine Anfragequelle. Kunden kommen über Empfehlung.
- Du hast tatsächlich freie Zeit — nicht theoretisch, sondern zusammenhängende Abende oder Wochenenden.
- Du arbeitest gern an so etwas. Wer sich quält, bricht auf halber Strecke ab und hat dann eine halbfertige Seite online.
- Das Budget ist wirklich knapp. Dann ist eine selbstgebaute Seite besser als gar keine.
Wann ein Profi die günstigere Wahl ist
Rechne den eigenen Stundensatz ein. Bei 60 € pro Stunde und 40 Stunden Eigenarbeit stehen 2.400 € an entgangener Arbeitszeit gegen ein Angebot von 1.500 €. Die selbstgebaute Seite ist dann die teurere.
Der zweite Punkt ist die Pflege. Eine Website ist kein Möbelstück, das einmal aufgestellt wird. Öffnungszeiten ändern sich, Leistungen kommen dazu, Sicherheitslücken müssen geschlossen werden.
Ein realer Fall aus meiner Arbeit: Beim Biergarten Schlossallee Haag lief eine WordPress-Seite des Vorbesitzers, die niemand mehr pflegte. Das Kontaktformular funktionierte nicht — Anfragen kamen also gar nicht erst an, ohne dass es jemandem auffiel. Das ist das typische Ende einer nicht betreuten Seite.
Der Mittelweg, den viele übersehen
Zwischen Komplett-selbst und Komplett-abgeben liegt eine dritte Möglichkeit: Struktur und Technik vom Profi, Inhaltspflege selbst.
Du bekommst eine Seite, die technisch sauber ist, gut aussieht und gefunden wird — und kannst Texte, Öffnungszeiten oder Bilder anschließend selbst ändern. Das senkt die Einmalkosten und hält dich unabhängig.
Frage vor der Beauftragung konkret nach: Kann ich Inhalte selbst ändern? Bekomme ich eine Einweisung? Gehört mir die Domain? Drei klare Ja sprechen für ein faires Angebot.
Die ehrliche Zeitrechnung
Selbst bauen wirkt kostenlos, weil die eigene Zeit in keiner Rechnung auftaucht. Das ist der Denkfehler, der die meisten Baukasten-Projekte teuer macht.
Rechne ehrlich: Einarbeitung in das Werkzeug, Aufbau der Seiten, Texte schreiben, Bilder aufbereiten, Rechtstexte besorgen, mobile Darstellung prüfen, Formular testen. Für einen Betrieb mit fünf Seiten ist das kein Wochenende. Und diese Zeit fehlt im Tagesgeschäft – bei den meisten Selbstständigen ist die eigene Arbeitsstunde die knappste Ressource überhaupt.
Der zweite unterschätzte Posten kommt später: Eine selbst gebaute Seite pflegt sich nicht. Jede Preisänderung, jede neue Leistung, jede Anpassung an Feiertagen ist wieder deine Zeit.
Das heißt nicht, dass Selbstbauen falsch ist. Es heißt nur, dass der Vergleich nicht „kostenlos gegen teuer" lautet, sondern „meine Stunden gegen fremde Stunden".
Wann Selbstbauen die richtige Entscheidung ist
Es gibt klare Fälle. Wenn du gerade erst gründest und noch nicht weißt, ob das Geschäft trägt, ist eine selbst gebaute Seite die vernünftige erste Stufe. Sie muss nicht perfekt sein, sie muss existieren.
Ebenso, wenn du Freude an solchen Dingen hast und die Zeit tatsächlich übrig ist. Wer gern bastelt, baut oft etwas Passenderes als jemand, der den Betrieb nicht kennt.
Und wenn das Budget schlicht nicht da ist. Eine selbst gebaute Seite ist besser als keine Seite – und deutlich besser als eine teure, die man sich nicht leisten kann und deshalb nie fertig wird.
Wichtig ist in allen drei Fällen nur eines: Sorge dafür, dass die Domain auf deinen Namen läuft und du die Zugangsdaten hast. Alles andere lässt sich später ersetzen, das nicht.
Woran man merkt, dass es Zeit für Hilfe ist
Es gibt drei ziemlich verlässliche Anzeichen. Das erste: Die Seite ist seit über einem Jahr nicht angefasst worden, weil du nicht mehr weißt, wie es geht. Das zweite: Du weichst Kunden gegenüber aus, wenn sie nach der Website fragen.
Das dritte ist das nüchternste: Rechne aus, was dich eine Anfrage wert ist. Wenn ein einziger zusätzlicher Auftrag im Jahr mehr einbringt als die Seite kostet, ist die Frage nicht mehr, ob du sie machen lässt, sondern warum noch nicht.
Ein Zwischenweg wird oft übersehen: Du machst die Inhalte selbst und lässt nur den Aufbau, die Technik und die Rechtstexte machen. Das ist meist der beste Kompromiss, weil die Inhalte ohnehin von dir kommen müssen und die Technik der Teil ist, der still kaputtgeht.
Häufige Fragen
Wie lange dauert es, eine Website selbst zu erstellen?
Mit einem Baukasten sind 20 bis 60 Stunden realistisch, verteilt auf Einarbeitung, Texte, Bilder, Layout und rechtliche Pflichtseiten. Der größte Einzelposten ist das Schreiben der Texte.
Ist eine selbst erstellte Website schlechter für Google?
Nicht grundsätzlich. Moderne Baukästen liefern technisch brauchbare Seiten. Der Unterschied liegt meist im Inhalt: Suchmaschinen bewerten, ob eine Seite eine Frage beantwortet. Das hängt am Text, nicht am Werkzeug.
Kann ich eine vom Profi erstellte Website später selbst pflegen?
Das hängt vom Anbieter ab und sollte vor Beauftragung geklärt werden. Frage konkret, ob du Texte und Bilder selbst ändern kannst, ob du eine Einweisung bekommst und ob die Domain auf deinen Namen läuft.
Ist eine selbst gebaute Website schlechter?
Nicht zwangsläufig. Der ehrliche Vergleich lautet nicht kostenlos gegen teuer, sondern eigene Stunden gegen fremde Stunden – dazu die laufende Pflege, die bei einer selbst gebauten Seite ebenfalls an dir hängt.
Worauf muss ich beim Selbstbauen unbedingt achten?
Dass die Domain auf deinen Namen läuft und du die Zugangsdaten hast. Alles andere lässt sich später ersetzen, das nicht.
Gibt es einen Mittelweg?
Ja, und er ist meist der beste: Inhalte selbst liefern, Aufbau, Technik und Rechtstexte machen lassen. Die Inhalte müssen ohnehin von dir kommen, die Technik ist der Teil, der still kaputtgeht.
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